Liepe - Barnim

Die Schleusentreppe Niederfinow PDF Drucken E-Mail
  
Montag, 25. Mai 2009 um 20:40 Uhr

Seitdem im 17. Jahrhundert zur Verbesserung der Handelswege eine regelrechte Kanalbauära einsetzte, ist der Ort Niederfinow am Übergang des Finowtals zum Niederoderbruch durch seine wasserbaulichen Anlagen eng mit der Geschichte der Schifffahrt verknüpft. Durch die Kanalisierung des Flüsschens Finow zwischen 1605 und 1620 wurde eine Wasserstraßenverbindung von Oder und Havel hergestellt, die jedoch schon bald danach infolge des 30jahrigen Krieges zerstört wurde. Friedrich der Große ließ den 50 km langen Finowkanal von 1743 bis 1747 wieder aufbauen.

Die Schleusentreppe im Bau

 19 Schleusen mussten die Kähne mit dem Finowmaß - entsprechend den Schleusengrößen 40 Meter lang, 4,60 Meter breit - zwischen Berlin und der Oder bei Hohensaaten passieren. Mit einer Beschränkung auf Schiffe bis zu 250 Tonnen Tragfähigkeit war der gewundene Finowkanal mit fortschreitender Industrialisierung und dem Aufkommen der Dampfschifffahrt den verkehrlichen Anforderungen nicht mehr gewachsen. 

Im Jahre 1906 wurde daher mit dem Bau des Großschifffahrtsweges Berlin - Stettin begonnen, der 1914 unter dem Namen Hohenzollernkanal dem Verkehr übergeben wurde und mit einer Auslegung für Schiffe bis zu 67 Meter Länge wesentlich leistungsfähiger war. Üblich war auf dieser Wasserstraße der “Plauer Maßkahn" (L = 65 Meter, B = 8 Meter) mit einer Tragfähigkeit von 650 Tonnen. Im Zuge des Neubaus Oder - Havel - Kanal mit nur noch 7 Schleusen auf der Strecke Berlin-Oder wurde in den Jahren 1911 - 1913 die Schleusentreppe errichtet; vier 67 Meter lange und 10 Meter breite Kammern mit jeweils 9 Meter Hubhöhe waren in der rund 1.400 Meter langen Anlage zur Überwindung von 36 Metern Höhendifferenz zwischen Scheitel- und Oderhaltung hintereinander geschaltet. 

Eröffnung des Hohenzollernkanals und der Schleusentreppe

 Mit Hilfe von jeweils 3 Sparbecken zu beiden Seiten der Schleusenkammern wurde der bei jedem Schleusenvorgang im Oberwasser entstehende Wasserverlust auf 40 % verringert. Drei jeweils 260 Meter lange Zwischenhaltungen zwischen den Schleusenkammern ermöglichten in einem abgestimmten Spiel gleichzeitig ausgeführter Bewegungen das Schleusen von z.B. 4 Schiffen im Verbundbetrieb - 2 aufwärts und 2 abwärts. Trotzdem dauerte die Durchschleusung ungefähr 2 Stunden. Schiffe ohne eigenen Antrieb wurden von Treidellokomotiven durch die Schleusen gezogen, 1928 hatte sich der Verkehr auf der Schleusentreppe mit 2,34 Mio. Gütertonnen innerhalb von 5 Jahren fast vervierfacht, auch beim Betrieb "rund um die Uhr" mussten Schiffe manchmal tagelang warten. 

seitliches Sparbecken einer Schleuse
Nach 7 Jahren Bauzeit wurde 1934 das Schiffshebewerk als technische Sensation eingeweiht, In seinem Trog von 85 Metern Länge können Fahrzeuge bis zu 1.000 Tonnen innerhalb von 20 Minuten wie in einem riesigen stählernen Fahrstuhl 36 Meter gehoben bzw. gesenkt werden. Parallel dazu wurde die Schleusentreppe bis in die 60er Jahre genutzt und verfiel danach. Heute gilt Niederfinow wieder als Nadelöhr für die Binnenschifffahrt. Der Bau eines weiteren Schiffshebesystems für Fahrzeuge mit Europamaß ist geplant.
Schiffshebewerk und Schleusentreppe
Aktualisiert ( Montag, 25. Mai 2009 um 20:59 Uhr )
 
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